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Dohlen - des Pastors schwarze Tauben

Volksglauben

Die Dohle ist unser kleinster einheimischer Rabenvogel und hat es nicht immer leicht gehabt. Im alten Volksglauben galten Corviden als Todesboten und Zaubervögel. Auf mittelalterlichen Abbildungen sind sie oft zusammen mit Hexen zu sehen.

Den Dohlen sagte man besonders nach, dass sie Unglück bringen und Wetterpropheten seien, die Stürme und Erdbeben hervorrufen können.

Somit hatten des "Pastors schwarze Tauben", wie Dohlen wegen ihrer Vorliebe zu Kirchtürmen auch genannt werden, schnell ihren Ruf als vagabundierendes und Unglück bringendes Krähengesindel weg. Leider haftet ihnen das auch noch heute mancherorts an.


Verbreitung

Für Dohlen haben wir indes eine ganz besondere Verantwortung. Corvus monedula, das ist der wissenschaftliche Name der Dohle, gibt es nämlich nur in Europa. Drei Unterarten sind bekannt, die jedoch für den Laien nur schwer auseinander zu halten sind. Die erste Unterart (Corvus monedula monedula) lebt in Nordeuropa. Ihr südlichstes Vorkommen liegt in Dänemark. Die zweite Unterart, unsere heimische Dohle (Corvus monedula spermologus), besiedelt Zentraleuropa. Im osteuropäischen Bereich gibt es die Halsbanddohle (Corvus monedula soemmeringii), die sich bei uns regelmäßig als Wintergast aufhält und oft mit Saatkrähen vergesellschaftet ist. Der Vollständigkeit halber sei noch eine kleine versprengte Dohlen-Population in Nordafrika angeführt. Im asiatischen Bereich vertritt die Elsterdohle (Corvus dauuricus) ihre europäischen "Vettern".


Bestandszahlen

Der Gesamtbestand aller 3 Unterarten in Europa liegt nach Bauer/Berthold (Brutvögel Mitteleuropas, 1997) zwischen 5,5 bis 29 Millionen Brutpaaren, davon leben in Mitteleuropa 200.000 bis 400.000 Brutpaare. Hier handelt es sich um grobe Schätzungen, genauere Daten sind nicht bekannt.


Dohlen in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg ist die Dohle in die Kategorie 2 der Roten Liste eingestuft und somit eine stark gefährdete Art, für die Schutzmaßnahmen dringend erforderlich sind.

Die Bestandsgröße der baden-württembergischen Dohlen wird auf derzeit ungefähr 1.000 Brutpaare geschätzt. Mitte der sechziger Jahre konnte noch ein Gesamtsbestand von 4.930 Brutpaaren ermittelt werden. 1980 waren es noch 1.910 Brutpaare.

Die Anzahl der Brutpaare hat in Baden-Württemberg nach Hölzinger (Die Vögel Baden-Württembergs) somit in den letzten 35 Jahren um 80 Prozent abgenommen

Ursprünglich bevorzugten Dohlen hohle Baumstämme und alte Schwarzspechthöhlen zur Aufzucht ihrer Jungen. Leider gibt es im Zollernalbkreis derartige Möglichkeiten kaum noch. So ist uns (neben einzelnen Brutpaaren, die aus dem ganzen Kreisgebiet gemeldet werden) nur eine einzige Baumbrüterkolonie bekannt. Die beiden anderen bekannten Kolonien sind Gebäudebrüter - auf einer Ruine im Raum Burladingen und an der Balinger Stadtkirche. Einzelne Paare gibt es wohl noch an den Felswänden der Schwäbischen Alb, aber die 1970 noch 50 Paare umfassende Kolonie am Vogelfelsen ist unseres Wissens seit 1977 erloschen.

Die Kolonie an der Balinger Stadtkirche ist schon sehr alt. Sie war durch die Renovierungsmaßnahmen zwischen 1982 und 1990 schon einmal bedroht, konnte aber nicht zuletzt durch das Engagement des NABU Balingen und des früheren Mesners erhalten bleiben.


Brutbiologie

Bereits im März kommt Leben in die Dohlenkolonien. Mit imposanten Flug- und Balzspielen jagen die Vögel umher. Die Flügel leicht gespreizt, stolzieren die Dohlenmänner "macho-like" herum, um der Damenwelt zu imponieren. Die Tiere leben, wenn sie den Partner einmal gewählt haben, lebenslang in einer monogamen Dauerehe.

Beim Nestbau arbeiten beide Partner zusammen. Interessant sind die bevorzugten Baumaterialien, die von Kolonie zu Kolonie höchst unterschiedlich sein können, obwohl stets alle verschiedenen Materialien zur Verfügung stehen. So reicht die Palette von konservativ anmutenden, höchst ordentlich gebauten Nestern aus Reisig und Moos bis hin zu "Schlampernestern", die mehr einer Müllkippe ähneln.

Durchschnittlich werden 5 Eier gelegt und rund 18 Tage lang bebrütet. Wenn die kleinen Dohlen ungefähr 28 Tage alt sind, verlassen sie zum ersten Mal ihr Nest um die Umwelt zu erkunden. Voll flugfähig sind sie allerdings erst mit 35 Tagen. Dohlen brüten nur einmal im Jahr. Bei Verlust des Geleges oder der Jungvögel findet kein Ausgleich statt.


Ausfälle und Bruterfolg

Neben dem Nahrungsangebot (große Fluginsekten) wirkt sich besonders die durchschnittliche Niederschlagsmenge während der Brutzeit auf den Erfolg aus. Eine hohe Niederschlagsmenge mit vielen Regentagen führt zu hohen Verlusten der Jungvögel, da neben Kälte und Nässe die Altvögel auch nicht genügend Insekten erbeuten können.

Hinzu kommt noch der Ausfall durch Beutegreifer wie Wanderfalke, Waldkauz, Steinmarder und Hauskatze, so dass letztendlich die Jugendsterblichkeit im ersten Lebensjahr gut 50 Prozent beträgt.

Interessant ist, dass die meisten Jungdohlen im "kritischen" Alter zwischen ungefähr 30 und 40 Tagen erbeutet worden sind. Jungdohlen fliegen mit knapp 30 Tagen aus, flattern umher und müssen das richtige Fliegen erst noch lernen. Dann sind sie natürlich leichte Beute.


Dohlenkolonien hängen zusammen

Durch die gezielte Dohlenberingung hat sich im Kreis Schwäbisch Hall herausgestellt, dass die meisten Kolonien zusammenhängen und ein Austausch zwischen den Vögeln stattfindet. Daten zum Brutbestand und zum Bruterfolg stehen uns aus dem Zollernalbkreis leider nicht zur Verfügung.

Für die Zukunft der Dohlen in unserem Raum ist der Erhalt jeder Kolonie wichtig. Erfreulich ist, dass immer mehr Menschen von Dohlen regelrecht fasziniert sind. Viele Eigentümer von Gebäuden, in denen Dohlen nisten, sind stolz auf "ihre" Dohlen. Die Hohenloher Dohlen können so sicherlich optimistisch in die Zukunft blicken.



alle Fotos dieses Artikels sind von Sönke Morsch
http://www.natur-lexikon.com/Texte/SM/001/00001/SM00001.html und
http://www.fotonatur.de/singvoegel/dohle-xxcorvusmonedula.php

verwendete Text-Quelle: http://www.rabenvoegel.de/dohlen.htm

 

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