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Gänsegeier geschwächt gefunden

 

© Foto: Christof Trzebitzky, Vogelpark Steinen

Der Geier hat sich wieder erholt.              Foto: Ch.Trzebitzky

Zu dem Geier-Fund aus Kirchzarten im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald liegt uns ein Kurzbericht von Dr. Christof Trzebitzky, dem wissenschaftlichen Leiter des Vogelparks Steinen vor:

Der vermutlich noch junge Gänsegeier wurde am 29. Mai 2006 durchnässt und schwach in Kirchzarten auf einer Wiese gefunden. Der dortige Tierarzt Dr. Rösch rief uns an, ob wir das Tier zur Pflege aufnehmen könnten. Unser Leiter der Falknerei Herr Kasten jun. holte das Tier abends am Fundort auf der Wiese ab und brachte es in den Vogelpark. Der unberingte Geier nahm spontan die angebotenen Eintagsküken als Nahrung und wirkte in keiner Weise beunruhigt in Gegenwart von Menschen. Er war sehr geschwächt und wurde von unserer Tierärztin Frau Dr. Teichmann betreut. Nun hat die Obere Naturschutzbehörde entschieden, dass unabhängig von der Vertrautheit des Tieres eine Freilassung erfolgen soll. Derzeit warten wir auf den Ring der Vogelwarte Radolfzell, den der Geier bekommen soll. Als begleitende Maßnahme soll das Tier auch mit einem Sender versehen werden. Allerdings ist die Finanzierung dafür derzeit noch nicht gesichert.

Soweit der Kurzbericht.
Die Idee mit der Besenderung stammt aus dem Seeadlerprojekt von Dr.med.vet. Oliver Krone im Institut für Zoo und Wildtierforschung Berlin. Ebenso wie in dem Seeadlerprojekt werden die Sender-Daten anschließend von Oliver Krone ausgewertet. Abgesehen davon dass man sich davon Informationen darüber verspricht, ob dieses eine Tier überhaupt unabhängig vom Menschen Futter

sucht, ob es Anschluss an Artgenossen findet oder wieder zu Menschen geht, soll hierbei geprüft werden, ob sich Geier in Mitteleuropa langfristig ernähren können und ob z.B. Probleme durch Bleibelastung (Auswirkungen der Jagd) auftreten. Die Zutraulichkeit des Tieres muss nämlich keineswegs daher rühren, dass es daran gewöhnt ist, von Menschenhand gefüttert zu werden. Es ist ebenso möglich, dass es an einer versteckten Bleivergiftung durch die Aufnahme von Bleischrot aus einem verendeten Tier oder aus einer Schussverletzung leidet. Zum dritten ist es aus Spanien bekannt, dass sich junge Gänsegeier sehr leicht zutraulich zeigen, wenn sie etwas "herunter gekommen" sind. Wenn sie wieder fit sind, entwöhnen sie sich aber ebenso rasch.

Welche Ursache das Verhalten des Tieres tatsächlich hat, ist uns nicht bekannt. In jedem Fall halten wir es jedoch aus Naturschutzsicht für erforderlich, dass das Tier zur Auswilderung zur einzigen professionell arbeitenden Station in Baden-Württemberg kommt, die hierfür auch eingerichtet ist, nämlich ins NABU-Vogelschutzzentrum nach Mössingen. Nachdem dort auch in den letzten Wochen immer wieder Geier aufgetaucht sind, wäre auch der Anschluss an Artgenossen sehr wahrscheinlich.

(Stand: Juli 2006)

Nachtrag: Am 25. Juli wurde der besenderte Vogel auf Anweisung der Naturschutzbehörde im Beisein von Dr. Oliver Krone freigelassen und schon wenige Tage später "meldete" er sich nach seinem Flug über das Zentramassiv aus der Gegend von Bordeaux. Womit auch gleich die Frage beantwortet wurde, ob es ein Gefangenschaftsflüchtling war, wie von den Leuten im Vogelpark anfangs behauptet wurde. Die Motive hierfür erschienen uns recht durchsichtig - gerne hätten sie ihn natürlich als Publikumsmagnet behalten. Aber nun hat letzten Endes alles seine Richtigkeit.

Einen Bericht kann man übrigens im Basler Stadtmagazin nachlesen - zum Download geht's hier.



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